Matthias Hüppi: Verantwortung, Führung und Gesellschaft | DEEP DIVE

Shownotes

Gast dieser Episode ist Matthias Hüppi, ehemaliger SRF-Sportmoderator und heutiger Präsident des FC St. Gallen.

Über Jahrzehnte prägte Hüppi die Sportberichterstattung im Schweizer Fernsehen. Heute trägt er Verantwortung für einen der traditionsreichsten Fussballclubs des Landes. Im Gespräch mit Moderator Reto Möhr spricht er über Medien, Führung und die Dynamik des Profisports.

Themen dieser Episode:

• Der Wechsel vom Sportjournalisten zum Clubpräsidenten • Verantwortung und Druck im Profifussball • Die Rolle der Medien im modernen Fussball • Führung und Entscheidungsprozesse im Sportbusiness • Persönliche Erfahrungen zwischen Öffentlichkeit und Privatleben

Die Folge wurde live im From Heaven in Bad Ragaz aufgezeichnet.

DEEP DIVE ist ein Gesprächsformat mit Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Moderiert von Reto Möhr, produziert im From Heaven.

Transkript anzeigen

00:00:24: Schön, wenn ihr alle hier seid.

00:00:29: Herzlich willkommen zum nächsten Kapitel

00:00:31: von Deep Dive.

00:00:33: Als er nach knapp 40 Jahren SRF das Gesicht

00:00:38: vom Schweizer Fernsehen zum FC St.

00:00:39: Gallen kam, gab er ein grosses Sprechen ab

00:00:42: bei seinem Amtsantritt.

00:00:44: Er sagte, in Zukunft gäbe es nur noch eine

00:00:47: Gruppe vom FC St.

00:00:48: Gallen.

00:00:48: Die Gruppe heisst «Grün-Grün».

00:00:51: Natürlich in Anlehnung an all die Intrigen, an

00:00:54: all die Ego-Spiele, die Grabenkern vom

00:00:56: Fussball, die auch immer wieder da sind und

00:00:58: zum Teil noch heute dazugehören.

00:01:00: Man hat das Gefühl, es gehört so ein bisschen

00:01:02: dazu zum guten Ton.

00:01:03: Aber das war überhaupt nicht sein Weg.

00:01:05: Er hat einen neuen Weg eingeschlagen und

00:01:07: den hat er konsequent durchgezogen bis zum

00:01:09: heutigen Tag.

00:01:10: Und heute ist der FC St.

00:01:12: Gallen wirtschaftlich wie auch sportlich

00:01:14: wahrscheinlich so gut aufgestellt wie noch

00:01:16: nie.

00:01:17: Und mich freut es extrem, dass er heute

00:01:18: Abend da ist.

00:01:20: Ich würde sagen, einen grossen Applaus für

00:01:21: Matthias Hüppi.

00:01:28: Dankeschön.

00:01:29: Danke schön.

00:01:38: Ja, Matthias, ich muss ehrlich sagen, letzten

00:01:40: Sonntag, ich schaue immer Fußball, aber

00:01:42: letzten Sonntag habe ich ziemlich genau

00:01:43: hingeschaut bei FC St.Gallen, FC Basel, was

00:01:47: dort wirklich passiert, weil ich wusste, wenn

00:01:49: St.Gallen gewinnt, dann habe ich

00:01:50: wahrscheinlich einen gut gelauten

00:01:51: Präsidenten.

00:01:52: Ist das nicht so, dass er so ein bisschen

00:01:55: mithält immer, so Woche für Woche?

00:01:57: Ja, es ist...

00:01:59: Guten Abend, schön, dass Sie da sind, schön,

00:02:02: dass ich da sein darf.

00:02:03: Es ist natürlich schon etwas, was dann

00:02:06: mitschwingt, oder?

00:02:07: Aber für...

00:02:08: Gleicherweise wäre es in meiner Funktion

00:02:10: fatal, wenn ich mich nur für das sportliche

00:02:13: Ergebnis beeinflussen lasse und meine Laune

00:02:16: nicht mehr davon abhängig wäre.

00:02:17: Das wäre dann ganz schwierig, denn

00:02:20: zwischendurch verlieren wir ja auch mal ein

00:02:22: Match.

00:02:22: Ich freue mich einfach für das Team, für

00:02:26: unseren Staff, für alle Leute, die so engagiert

00:02:30: für die FC St.Gallen arbeiten, in welcher

00:02:31: Funktion auch immer.

00:02:33: sind alle unglaublich wichtig und

00:02:35: selbstverständlich auch für unsere Fans und

00:02:37: dann irgendwann noch für mich, wenn es so

00:02:39: läuft, wie am letzten Sonntag.

00:02:43: Aber sonst, meine Frau kommt immer mit an

00:02:46: die Auswärtsspiele und wenn du dann in Sion

00:02:48: bist und dort verlierst, gibt es also Lustigeres,

00:02:50: als mit mir nach vier Stunden zurückzufahren

00:02:53: auf St.

00:02:53: Gallen.

00:02:53: Darum ist es einfach von der Lune her genau

00:02:55: richtig für heute Abend.

00:02:56: Das sagst du immer so wahnsinnig schön und

00:02:59: ich glaube das irgendwo auch, aber du bist ja

00:03:01: so etwas mit Haut und Haaren dabei.

00:03:03: Und man sieht das auch im Fernsehen und ich

00:03:06: kenne beispielsweise Antoine Le Maire, den

00:03:08: kennst du auch noch, wir haben einen

00:03:09: Kollegen von dir, der hat mir mal gesagt, ich

00:03:12: kenne ihn gut, wenn du mit dem ein Match

00:03:13: verbringst, der ist ständig on fire, der ist

00:03:17: wirklich voll in dem Spiel drin, 19 Minuten

00:03:19: lang, du lebst voll mit, das ist nicht einfach

00:03:23: gespielt, das ist einfach von Anfang an, wenn

00:03:24: das Spiel losgeht, bist du wie so in einer

00:03:26: anderen Welt.

00:03:27: Ja, ich bin eigentlich schon bevor das Spiel

00:03:29: losgeht in dieser Welt.

00:03:30: Da lebst du natürlich auch voll im Countdown

00:03:35: mit.

00:03:36: Ich bin auch immer dabei beim

00:03:38: Abschlusstraining der Mannschaft, am Tag

00:03:39: vorne.

00:03:40: Das müsste ich jetzt nicht zwingend in meiner

00:03:43: Rolle als Präsident.

00:03:45: Und das ist auch nicht das oberste in der

00:03:47: Prioritätenliste.

00:03:48: Ich habe auch andere Aufgaben, die natürlich

00:03:50: auch sehr wichtig sind.

00:03:51: Aber das ist einfach eine Frage des

00:03:52: Mitgehens, der Präsenz, von dort sein.

00:03:56: wenn so ein Spiel, und das ist jedes Spiel, ein

00:03:59: grosses Spiel für einen Profifussballer, wenn

00:04:02: das ansteht.

00:04:03: Dass man Anteil nimmt, dass die Menschen

00:04:06: spüren, hey, der interessiert sich für das, was

00:04:08: wir hier machen.

00:04:08: Und der zeigt sich nicht nur irgendwo in einer

00:04:10: Loge oder auf dem Balkon während des Spiels

00:04:13: und ist der gnädige Herr, der oben

00:04:14: runterwinkt.

00:04:15: Den finde ich überhaupt nicht.

00:04:16: Das weiss ich auch.

00:04:17: Du gehst auch im Stadion, bist du überall ein

00:04:20: bisschen, gell?

00:04:20: In der Mitte der Leute meistens.

00:04:21: In der Mitte der Leute.

00:04:23: Du wechselst immer ein wenig ab und ab und

00:04:24: zu gehst du ins Büro zurück und versteckst

00:04:26: das ein bisschen.

00:04:26: Ja, wenn es Phasen gibt, wo ich einfach mal

00:04:30: geschwind den Motor runterfahren muss und

00:04:33: mir mal überlege, was mache ich eigentlich

00:04:35: da und hätte es das müssen sein oder so.

00:04:38: Wenn eine Halbzeit völlig in eine andere

00:04:41: Richtung läuft, als wir uns das wünschen, hat

00:04:43: es auch schon gegeben, wobei es relativ

00:04:46: schwierig ist, eine Ecke zu finden, wo du die

00:04:49: absolute Ruhe hast während des Spiels.

00:04:51: Es gibt auch viele Aufgaben, die man

00:04:53: wahrnehmen muss.

00:04:54: Da sind 18'000 Leute rum.

00:04:56: Du bist eigentlich verantwortlich.

00:04:58: Also nicht nur eigentlich, du bist

00:04:59: verantwortlich, dass das im Stadion so

00:05:02: abläuft, dass sich alle gut aufgehoben fühlen

00:05:04: können.

00:05:04: Und dann ja auch noch einen attraktiven

00:05:07: Fussball sehen können.

00:05:08: Das sind ein paar Ziele, die man hier bei so

00:05:11: einem Spiel verfolgt.

00:05:11: Das ist doch furchtbar anstrengend, oder

00:05:13: nicht?

00:05:14: Bist du nach einem Spieltag...

00:05:16: Ist das für dich Energie, die du aus dem

00:05:18: Ganzen raussaugst?

00:05:19: Oder...

00:05:20: Energie, die kostet schlussendlich, wenn du

00:05:22: am Abend geschlagen bist, müde bist?

00:05:24: Ja, es ist jetzt geschlagen nicht, manchmal

00:05:29: geschlagen, wenn wir geschlagen worden

00:05:31: sind.

00:05:31: Also schon, aber ist das etwas

00:05:32: Anstrengendes?

00:05:33: Ja, ich spüre es natürlich schon.

00:05:34: Aber du bist da auf eine Art auch aufgedrückt

00:05:38: und dann gerade jetzt sagen wir, Anblick und

00:05:42: Schlafen ist völlig unmöglich, weil das Zeug

00:05:45: alles noch irgendwie mit vibriert.

00:05:47: Aber das war früher, als ich beim Fernsehen

00:05:49: war, schon so.

00:05:50: Nach Sendungen konnte ich nicht nach Hause

00:05:52: schlafen.

00:05:52: Das war völlig unmöglich.

00:05:53: Das ist ja alles, es rotiert noch ein wenig im

00:05:57: Kopf.

00:05:57: Und da ist es bei den Spielen natürlich auch

00:05:59: so.

00:06:00: Und ich habe, wenn ein Match fertig ist, bin

00:06:02: ich also sicher noch etwa zwei Stunden im

00:06:04: Stadion unterwegs, wo sehr viele Leute

00:06:07: erwarten dann auch, dass man noch

00:06:09: vorbeikommt, noch sagt «merci» fürs Spiel

00:06:11: und dann aber auch noch schnell bei der

00:06:13: Crew vorbei.

00:06:14: Ich bin auch immer

00:06:15: einen Moment noch im Trainerbüro mit dem

00:06:17: Trainer, egal wie das Spiel gelaufen ist,

00:06:21: einfach kurz darüber reden, aber auch

00:06:23: einfach auch, es hat sehr viel mit einfach

00:06:26: Dasein zu tun, weil du musst ja dann den

00:06:28: nicht zulabern, oder?

00:06:30: Der ist noch in seiner Welt.

00:06:31: Aber es kann sein, dass er über irgendein

00:06:34: Thema reden will, oder dass er irgendetwas

00:06:38: hat aus dem Spiel heraus, wo er froh ist, dass

00:06:40: er sofort deponieren kann.

00:06:41: Du kannst nicht abschleichen, du musst

00:06:44: einfach Du musst die Verantwortung auch

00:06:46: dann in diesem Sinn übernehmen.

00:06:49: Abschalten, das geht?

00:06:52: Ja, das ist in diesem Fussball-Business schon

00:06:56: extrem schwierig.

00:06:57: Oder was machst du zum Abschalten?

00:06:58: Du spielst Musik, du machst Sport.

00:06:59: Ja, Musik habe ich leider, als ich den Wechsel

00:07:02: gemacht habe vom Fernseher zum FC St.

00:07:04: Gallen, ist diese Band, das war für mich nicht

00:07:06: mehr möglich, weil ich bin jetzt nicht ein

00:07:09: brillanter Bassist, aber wenn du miteinander

00:07:12: spielst und irgendwann auch in so

00:07:14: Locations, zum Teil hatten wir so kleinere

00:07:17: Gigs, oder?

00:07:18: Und dann ist, dann musst du ja üben, weil du

00:07:20: kannst ja nicht auf die Bühne aufstehen und

00:07:22: dann klingt das grässlich und alle Leute

00:07:24: sagen, spinnst du?

00:07:25: Nein, da haben wir natürlich müssen üben,

00:07:30: bis das einigermassen klingt hat und so.

00:07:32: Und die Zeit, das habe ich nicht mehr auf drei.

00:07:34: Was machst du denn?

00:07:35: Also viel Sport, selber Bewegung.

00:07:37: Ich bin ein Bewegungsmensch.

00:07:40: Ich bin gerne in der Natur.

00:07:42: Ich bin gerne in den Bergen.

00:07:43: Ich bin Gerne auf den Langläufen, aber auch

00:07:46: auf den Skipisten.

00:07:48: Ja, mache viel.

00:07:50: Habe jetzt im höheren Alter noch angefangen

00:07:52: Golf zu spielen.

00:07:52: Das hätte ich mir eigentlich nie vorstellen

00:07:54: können.

00:07:54: Das gehört ein bisschen dazu, oder?

00:07:56: Ja, nein.

00:07:56: Du weisst ja so, während der Fernsehzeit

00:08:01: habe ich mit sehr vielen Leuten zu tun

00:08:03: gehabt.

00:08:03: Die haben alle Golf gespielt.

00:08:04: Und dann immer gesagt, der fängt doch auch

00:08:06: mal an.

00:08:06: Unbedingt.

00:08:07: Und ich habe immer gedacht, ja, aber ich

00:08:10: komme irgendwie nicht rein.

00:08:11: Wir haben...

00:08:13: drei Kinder, die waren doch klein, ich war für

00:08:17: das Fernsehen so viel unterwegs, dass ich

00:08:19: mich einfach nicht dafür hatte, dann auch

00:08:21: noch ein Hobby zu haben, wo ich dann sage,

00:08:24: der Vater geht golfen, tschüss zusammen,

00:08:26: schönen Tag.

00:08:27: Und der Moment ist aber gekommen, wo ich

00:08:29: gesagt habe mit meiner Frau zusammen,

00:08:31: komm jetzt, nimm mal deinen Angriff und es

00:08:34: ist Hammer, oder?

00:08:35: Es ist bis draussen, ich gehe Dengue spielen,

00:08:38: wenn die anderen schon gegangen sind, weil

00:08:40: ich bin nicht so gut.

00:08:41: Und ich brauche noch ein paar Jahre, aber ich

00:08:45: bin ja eben schon etwas älter.

00:08:46: Du holst nie auf.

00:08:48: Ich habe mit 64 Jahren angefangen.

00:08:51: Das sind die, die 30 Jahre spielen.

00:08:54: Die wirst du nie mehr erreichen.

00:08:56: Völlig unmöglich.

00:08:57: Aber das hilft dir zum Abschalten?

00:08:58: Ja, es ist einfach Bewegung generell.

00:09:00: Ich bin viel im Bündnerland auch.

00:09:03: Das ist eine Region der Schweiz, die mir sehr

00:09:06: viel bedeutet.

00:09:07: Aber ich kenne auch diese Region.

00:09:10: Wir haben eine wunderbare Umgebung,

00:09:14: generell.

00:09:15: Auch in der weiteren Ostschweiz und so.

00:09:19: Dort hole ich die Energie aus.

00:09:23: Die Kraft, die du brauchst für den Job, den du

00:09:24: mit Haut und Haaren machst.

00:09:26: Das spürt man auch, wenn man mit dir

00:09:28: anfängt zu reden.

00:09:29: Dann bist du sofort in der Rolle.

00:09:30: Gleichwohl möchte ich nochmal

00:09:33: zurückschauen.

00:09:33: Die Zeit, SRF, der Wechsel, der Rollenwechsel.

00:09:38: Am Anfang dachte ich mir, Lustigerweise

00:09:42: habe ich in der Vorbereitung noch einen

00:09:44: SRF-Personen gesehen, der ein paar Monate

00:09:45: vorher aufgezahlt wurde.

00:09:46: Wenn man das hört, kann man nie glauben,

00:09:49: dass du weggehst vom Job.

00:09:51: Nein, das ist immer wieder von Neuem

00:09:53: spannend, was du da erlebst.

00:09:54: Ist das für dich wirklich so etwas gewesen, wo

00:09:57: aus dem Nichts herausgekommen ist?

00:10:00: Ja, die Anfrage kam sehr überraschend.

00:10:02: Da habe ich wirklich nie damit gerechnet.

00:10:07: Ich kann dir nicht die ganze Geschichte

00:10:08: erzählen, aber es war eine ziemlich verrückte

00:10:10: Geschichte.

00:10:10: Hat ein Jahr vorher schon angefangen, oder

00:10:12: nicht?

00:10:12: Nein, nein, nein, nicht ein Jahr vorher mehr.

00:10:14: Schon viel früher?

00:10:15: Nein, ich hatte etwa eine Woche Zeit, um es

00:10:18: mir zu überlegen.

00:10:19: Aber ich habe gehört, ein Jahr vorher warst

00:10:21: du in der Generalversammlung auf dem FC St.

00:10:23: Gallen?

00:10:23: Nein, nein, im gleichen Jahr.

00:10:24: Es war im gleichen Jahr?

00:10:25: Ich finde, die war im November und im

00:10:26: Dezember war ich Präsident.

00:10:27: Also es ging relativ schnell.

00:10:29: Und diese Generalversammlung habe ich

00:10:32: besucht, weil mein Bruder hier verabschiedet

00:10:34: wurde.

00:10:34: Genau, er war Verwaltungsrat.

00:10:35: Und ich bin...

00:10:37: Genau aus einem Grund, nämlich aus dem ich

00:10:40: an dieser Generalversammlung war, mit

00:10:41: meinem Bruder zu leben, mit dem ich ein

00:10:43: herzliches Verhältnis pflege.

00:10:44: Und er war ja auch mal Präsident vom FC

00:10:47: St.Gallen.

00:10:48: Kürzer jetzt, als ich es jetzt bin, aber das ist

00:10:52: egal.

00:10:52: Und ich wollte ihm einfach auch den Support

00:10:55: geben.

00:10:56: Und dann war ich dort und am Schluss dieser

00:10:58: Versammlung haben mich ein paar Leute in

00:11:00: Gespräche verwickelt.

00:11:01: Und diese Leute waren aus dem Aktionariat

00:11:04: vom FC St.Gallen.

00:11:05: Und aus dem heraus ist die ganze Geschichte

00:11:07: entstanden.

00:11:08: Also, ja, ich bin dann zuhause, aber ich bin

00:11:11: zuhause und habe gedacht, so, jetzt ist es

00:11:12: gewesen.

00:11:13: Denkt, schon natürlich, oder?

00:11:14: Aber du spürst ja auch so etwas, oder?

00:11:17: Hast du nicht schon gespürt gehabt, das ist

00:11:18: etwas, das mich noch faszinieren könnte?

00:11:20: Der Kopf sagt dann vielleicht eher noch mal,

00:11:22: ah, nein, und so vorsichtig und so.

00:11:24: Aber das spürst du auch irgendwo, oder

00:11:26: nicht?

00:11:26: Ja, der Fussball hat mich natürlich immer

00:11:28: interessiert, aber ich muss auch sagen, ich

00:11:30: bin generell sehr sportinteressiert und ich bin

00:11:33: als Moderator von SRF Sport habe ich mich

00:11:37: natürlich auch mit verschiedensten Gebieten,

00:11:39: Dörfern auseinandergesetzt.

00:11:40: Ich sage bewusst nicht müssen, es war ein

00:11:42: Dörfer, ein riesiges Privileg.

00:11:45: Ski vor allem war ein grosses Thema, dann

00:11:48: Schwingen kam irgendwann nochmal dazu.

00:11:50: Hockey ein wenig weniger, weil das hat sich

00:11:52: mit der Skisaison gebissen, aber interessiert

00:11:54: habe ich mich für alles, auch für die kleineren

00:11:57: sogenannten Randsportarten.

00:11:58: Der Fussball hat schon gewisse Faszination.

00:12:02: Ich bin

00:12:04: grün-weiss auf die Welt gekommen.

00:12:05: Ich bin in St.Gallen auf die Welt gekommen

00:12:07: und aufgewachsen, um bei meinem Vater

00:12:09: jeden FC-Match zu schauen.

00:12:10: Damals im Espenmoos, später alleine.

00:12:13: Du kannst ja nicht sagen, was soll ich jetzt

00:12:19: noch werden?

00:12:19: Aha, Präsident von einem Fussballklub.

00:12:21: Natürlich nicht, aber irgendwann kam das

00:12:25: Gefühl, das wäre noch etwas.

00:12:28: Es war eher ein generelles Gespür, als ich 60

00:12:32: ging.

00:12:33: Ich habe viel mit meiner Frau diskutiert.

00:12:35: Ich habe einen super Job.

00:12:37: Ich bin total privilegiert.

00:12:40: Ich habe eine faszinierende Aufgabe im

00:12:43: Fernsehen.

00:12:44: Im Prinzip kann ich sagen, es ist alles okay.

00:12:46: Jetzt zuechern wir das weiter.

00:12:48: Aber irgendwo in mir war etwas, wo ich mir

00:12:52: überlegt habe, was könnte ich noch?

00:12:55: Nicht, weil es mir gestunken hat.

00:12:56: Ich musste überhaupt nicht und wollte

00:13:00: gehen.

00:13:00: Aber trotzdem finde ich auch, das ist ja

00:13:03: wahrscheinlich auch gut, wenn man das

00:13:05: macht, sich hinterfragen, hey, ist es jetzt das?

00:13:08: Oder gäbe es noch etwas, eine Aufgabe, die

00:13:10: mich genauso mit Haut und Haar reinnehmen

00:13:14: würde?

00:13:14: Und das hätte auch etwas im sozialen Bereich

00:13:17: sein können.

00:13:17: Es hätte nicht zwingend wieder im

00:13:20: Rampenlicht sein müssen.

00:13:21: Hättest du etwas schon im Kopf gehabt?

00:13:22: Ja, ich bin...

00:13:24: Also ich hoffe, dass ich auch ein Mensch bin,

00:13:26: der Interesse hat an den Menschen, die es

00:13:31: nicht so gut haben wie ich.

00:13:33: Ich habe auch versucht, im Laufe meines

00:13:36: Lebens bis jetzt auch da und dort etwas zu

00:13:38: unterstützen oder selber aufzuziehen, was

00:13:40: anderen nicht so gut kommt.

00:13:42: Und wenn ich mich da irgendwo hätte

00:13:44: einbringen können, wäre das theoretisch für

00:13:46: mich in Frage gekommen.

00:13:49: Das war so ein Prozess und nicht so, jetzt

00:13:51: überlege ich mir und überm Anfang, ja,

00:13:53: überhaupt nicht.

00:13:54: Und dann ist das dazwischen gekommen.

00:13:56: Und dann ist es passiert.

00:13:59: Ja, es ist eigentlich passiert, du sagst es

00:14:02: richtig.

00:14:02: Es passiert dann einfach so, oder?

00:14:03: Ja.

00:14:04: Um jetzt nochmal aufs Detailliert zu gehen,

00:14:05: aber es sind die Umstände, Zufall gibt es ja eh

00:14:08: nicht, oder?

00:14:08: Es würde einem zugefallen, sagen wir so

00:14:10: schön, oder?

00:14:10: Ja.

00:14:11: Es hätte so sein müssen, oder?

00:14:12: Aber es ist noch spannend, oder?

00:14:14: Bist du dir bewusst gewesen?

00:14:16: Ich meine, du warst immer derjenige, der

00:14:17: alles beobachtet hat.

00:14:18: Ich meine, ich kenne diese Rolle ja auch.

00:14:19: Auch wir mussten gewisse Sachen erfüllen

00:14:22: und wurden beurteilt.

00:14:23: Aber man ist immer so der nice guy, oder?

00:14:25: Die Verantwortung ist beim Sportler, bei dem,

00:14:29: was du beurteilst.

00:14:29: Und da bist du in eine Rolle reingekommen,

00:14:31: wo du von null auf hundert eine

00:14:33: Verantwortung übernehmen musstest.

00:14:34: Und auch in diesem Clinch warst du plötzlich,

00:14:37: oder?

00:14:38: In diesem Clinch, du hast eine Medienwelt, du

00:14:41: hast eine Fangemeinschaft, du hast Business.

00:14:44: Was hat dich am Anfang so überrascht?

00:14:45: Ist das etwas, womit du am Anfang am

00:14:48: meisten Mühe hattest?

00:14:49: Ja, man muss sich daran gewöhnen, dass das

00:14:55: immer auf und ab geht.

00:14:56: Dass du auf der Achterbahn bist, wo du hin

00:14:58: und her gespickt wirst.

00:14:59: Und dort habe ich mir die Frage natürlich

00:15:01: ernsthaft gestellt, bin ich dem gewachsen?

00:15:03: Und ein Teil in mir hat gesagt, jawohl, ich bin

00:15:05: dem gewachsen.

00:15:06: Ein anderer Teil hat gesagt, nein, das ist

00:15:08: wahrscheinlich nicht das Richtige.

00:15:10: Und ich habe mich ja

00:15:12: nicht im stillen Kämmerlein entschieden,

00:15:14: sondern ich habe sehr viele Gespräche

00:15:15: geführt.

00:15:15: Natürlich mit meiner Familie, vor allem aber

00:15:18: dann auch mit Leuten, die schon ein bisschen

00:15:20: aus dieser Szene rausgekommen sind.

00:15:21: Und habe dann angefangen, mir selber

00:15:23: aufzuschreiben, das bringe ich nicht mit und

00:15:25: das bringe ich mit für diesen Job.

00:15:27: Und so transparent und offensiv bin ich dann

00:15:29: auch in Gespräche reingegangen, bevor dann

00:15:32: letztlich der Entscheid gefallen ist.

00:15:34: Und die Leute haben gewusst, oder ich hoffe,

00:15:36: sie haben gewusst, was ich mitbringe und

00:15:38: was ich nicht mitbringe.

00:15:39: Das Abwägen für mich selber, das war erstens

00:15:42: ein spannender Prozess und hat mir nachher

00:15:46: sehr viele Fragen, die ich hatte, schon mal

00:15:48: beantwortet.

00:15:48: Aber dann ist der Tag gekommen, als das

00:15:50: Zeug losgegangen ist und dann habe ich dann

00:15:52: gemerkt, da fehlt noch einiges auf dieser

00:15:55: Liste.

00:15:55: Das muss jetzt noch dazukommen.

00:15:58: Meistens kommt es nicht so raus, wenn man

00:16:00: das so vorstellt.

00:16:01: Aber es hat viel mit Kommunikation zu tun.

00:16:04: Reden miteinander, machen miteinander.

00:16:08: Leute für etwas begeistern können, im Team

00:16:11: eine Rolle spielen, nicht die Chefrolle per se.

00:16:15: Ich sage immer, Leadership hat nichts mit

00:16:18: Macht zu tun, es geht nur um Verantwortung.

00:16:20: So fasse ich das auf.

00:16:23: Aber Menschen können es begeistern und

00:16:26: hindern, Ideen zu bringen.

00:16:28: Und weisst du, beim Fernsehen, ich war ja der

00:16:30: Moderator, ich war zuvorderst vorne

00:16:32: gestanden.

00:16:32: Aber das hat doch im Team mit den

00:16:34: Kameraleuten, die jetzt auch da sind, ich

00:16:35: komme richtig heimisch vor, notabene, da

00:16:39: hast du ja ein Team bilden müssen, das mit

00:16:42: dem höchsten Mass gegenseitiger Achtung,

00:16:46: Respekt und auch Bescheidenheit deiner

00:16:50: eigenen Rolle gegenüber verbunden sein

00:16:53: musste.

00:16:53: Sonst hättest du keine Chance gehabt, wenn

00:16:55: du Leute in der Technik nicht ernst

00:16:58: genommen hättest oder da so arrogant

00:17:00: reingefahren wärst, dann hätte doch nichts

00:17:02: mehr funktioniert.

00:17:03: Die hätten irgendwann gedacht, das ist ein

00:17:06: schöner Idiot, der will da vorne brillieren und

00:17:10: hat keine Ahnung, was wir da hinten alles

00:17:13: schieben, damit das funktioniert.

00:17:14: Und das ist etwas, was mich fasziniert.

00:17:17: Es ist Teamwork, ich bin kein Sololäufer, ich

00:17:21: bin ein Teamplayer und dass der jetzt auch

00:17:23: noch Präsident heisst, das ist für mich nicht

00:17:25: so wichtig.

00:17:26: Also ich bin, ich sage schon, wenn mich

00:17:29: jemand fragt, ja was machst du im Leben,

00:17:31: dass ich dann halt Präsident vom FC St.

00:17:33: Gallen bin, aber da stellt man sich ja sehr

00:17:35: vielfach dann auch etwas Falsches darunter

00:17:37: vor.

00:17:37: Also ich glaube, ich habe das Amt schon so

00:17:41: ausgefüllt, wie das für mich stimmt.

00:17:44: Und da hätte man auch ja dazu sagen müssen

00:17:46: von denen, die hier die Verantwortung haben,

00:17:49: mich zu holen.

00:17:50: Weil die haben zu mir ja sagen müssen.

00:17:53: Und das konnte ich ja nur eigentlich prüfen

00:17:57: mit vielen Gesprächen.

00:17:58: Und am Schluss musst du sagen, aber mit

00:18:00: dem wollen wir, mit dem wollen wir nicht.

00:18:01: Aber du kannst nicht dauernd reinreden, du

00:18:03: sollst das eben noch, das eben noch, das eben

00:18:04: noch.

00:18:04: Und übrigens, so haben wir es nicht gemeint,

00:18:06: du kannst das eben auch noch.

00:18:07: Das geht nicht, oder?

00:18:09: Du hast viel Verantwortung für Menschen.

00:18:11: Das ist bei dir ganz wichtig, für die Menschen

00:18:13: Verantwortung übernehmen.

00:18:14: Das sagst du auch, das lebst du auch.

00:18:17: Und was du erzählt hast jetzt gerade, dass wir

00:18:20: mit dir ab, das ist echt authentisch, das lebst

00:18:23: du auch.

00:18:23: Und gleichwohl kommst du in ein

00:18:24: Haifischbecken rein,

00:18:26: ganz andere Leute um dich herum sind.

00:18:28: Klar kannst du logischerweise auch irgendwie

00:18:30: dann auch, sagen wir, neue Leute

00:18:32: dazunehmen, von Leuten trennen, aber

00:18:35: gleichwohl kannst du dort immer die Haltung

00:18:37: und die Wertvorstellung, die du da hast,

00:18:39: aufrechterhalten.

00:18:41: Nicht so einfach wahrscheinlich.

00:18:42: Nein, sicher nicht einfach, aber ein ganz

00:18:45: wichtiger Faktor ist, dass man selber

00:18:48: irgendwie unabhängig ist und sich selber

00:18:51: gegenüber verantwortet.

00:18:53: Es ist so, und das wissen die Leute auch, die

00:18:55: mit mir unterwegs sind, ich lasse mich in dem

00:18:58: Sinne nicht verbiegen.

00:18:59: Das heisst nicht, dass ich nicht auch rechts

00:19:02: und links etwas aufnehme, was gesagt wird

00:19:06: und eigentlich das noch gut finde und dann

00:19:08: versuche ich irgendwie auch in mein Bild

00:19:11: hineinzumalen, aber nicht heute und morgen

00:19:14: die Meinung ändern, umfallen, wenn wir

00:19:18: irgendwie dreimal hintereinander verlieren.

00:19:19: Ich meine, es hat jetzt in den 8,5 Jahren, in

00:19:21: denen ich dabei bin,

00:19:22: schon viel gestürmt, und zwar richtig, und

00:19:25: dann bist du gefragt, als auf dem Schiff, oder?

00:19:28: Dann musst du dafür sorgen, dass es auf Kurs

00:19:30: bleibt, und das geht nicht, wenn du dich

00:19:34: dauernd beeinflussen lässt.

00:19:35: Und du kannst es auch nicht allen Menschen

00:19:37: recht machen.

00:19:38: Ich meine, das ist eine riesen

00:19:39: Anspruchsgruppe, die wir mittlerweile

00:19:40: bedienen.

00:19:41: Ist es auch irgendwie eine Chance, nicht allen

00:19:43: recht zu machen?

00:19:44: Es ist einfach, du kannst nicht mehr als das

00:19:50: machen, und anderen gut, rechts mal einen

00:19:52: Score geben.

00:19:53: Ja, und manchmal musst du auch, wenn du

00:19:56: vor etwas im Storch sagst, hey, das muss ich

00:19:58: mir jetzt noch überlegen.

00:19:59: Ich muss jetzt noch mal eine Nacht darüber

00:20:00: schlafen.

00:20:01: Und dann tue ich eine Entscheidung auch

00:20:04: hinterfragen, aber nicht dann zaudern

00:20:07: nachher.

00:20:07: Wenn entschieden ist, ist entschieden.

00:20:09: Wenn du dann immer anfängst, hinterfragen,

00:20:12: ja, war das schlau oder nicht?

00:20:13: Nein, es ist nicht jeder Entscheid schlau.

00:20:16: Und auch in diesen 8,5 Jahren war noch lange

00:20:18: nicht jeder Entscheid schlau, den ich gefehlt

00:20:20: habe.

00:20:20: Aber ich bin hinter jedem gestanden, zu 100

00:20:23: Prozent.

00:20:24: Ob er gut ist oder nicht, das stellt sich dann

00:20:27: meistens erst mit einer gewissen

00:20:28: Verzögerung heraus.

00:20:29: Und in diesem Business, in dem ich bin,

00:20:32: kannst du alles immer noch beleuchten

00:20:33: aufgrund der Resultate, oder?

00:20:35: Also du nimmst eine personelle Änderung

00:20:38: vor, danach gewinnst du fünf Matches und

00:20:39: dann sagen alle, juppie du, das habt ihr aber

00:20:41: genau richtig gemacht.

00:20:42: Du nimmst genau die gleiche personelle

00:20:44: Änderung aus genau dem gleichen Motiv vor,

00:20:47: und wir verlieren die nächsten fünf Matches,

00:20:50: sagen alle, die sind dann blöd, die haben

00:20:52: einfach alles verkehrt gemacht.

00:20:54: Und dann kommt es darauf an, dann musst

00:20:56: du nicht abheben im Fall 1 und musst nicht

00:21:00: umkeilen im Fall 2.

00:21:01: Gut, das Abheben, das ist etwas, wo ich dir zu

00:21:05: 1000% abnehme, das nicht runterfallen, wenn

00:21:08: du wirklich mal fünfmal verlierst und davor

00:21:10: automatisch anfangen, sich dahinter zu

00:21:12: fragen, ist das bei dir nicht...

00:21:13: Das ist natürlich sehr belastend.

00:21:15: Es ist nicht lustig, definitiv nicht.

00:21:18: Und vor allem tut es mir auch weh, wenn ich

00:21:24: sehe, wie im Klub gearbeitet wird, wie es

00:21:28: trainiert, wie rundherum die Leute agieren.

00:21:31: Dass im Stadion alles funktioniert, dass wir

00:21:35: den besten Rasen haben.

00:21:36: Das ist unser Greenkeeper, der heute hier ist.

00:21:40: Chef, Greenkeeper, dass wir den besten

00:21:42: Rasen haben, dass es rundherum läuft.

00:21:44: Das wünschst du dir.

00:21:45: Und trotzdem kann halt mal etwas

00:21:47: dazwischen kommen.

00:21:48: Und wenn dann rundherum gefuttert wird

00:21:51: und so, dann stört mich das.

00:21:53: Das tut mir weh.

00:21:54: Und trotzdem stehe ich vor den Leuten an

00:21:55: und sage, hey, das müsst ihr tragen.

00:21:58: Und indem es mich eben nicht kühl lässt,

00:22:01: habe ich das Gefühl, kann ich einen Teil

00:22:03: dieser Belastung auch auf mich übernehmen.

00:22:06: Und

00:22:07: Das ist eine Verpflichtung, die ich in dieser

00:22:09: Funktion einfach habe.

00:22:10: Also, Verantwortung, Kompetenzen, es gibt

00:22:14: auch schöne Sachen, die damit verbunden

00:22:16: sind.

00:22:17: Du bist dort, ja, die Leute interessieren sich

00:22:21: für dich und so, aber das hat immer zwei

00:22:23: Seiten.

00:22:23: Und du kannst da nicht nur die schönen

00:22:25: rausziehen und die anderen gehst du weiter

00:22:27: und sagst, ja, da müssen die jetzt aber ehrlich

00:22:29: sein.

00:22:29: Und wenn es gut läuft, sagst du, ja, da bin ich

00:22:32: gewesen, der dafür gesorgt hat, dass es gut

00:22:34: läuft.

00:22:34: Nein, nein, ich funktioniere natürlich ganz

00:22:36: anders.

00:22:37: die Unabhängigkeit ist wichtig.

00:22:40: Du bist nicht Club-Inhaber, du bist Präsident,

00:22:43: du hast einen Vertrag.

00:22:44: Ein riesen Vorteil.

00:22:47: Ja, da bin ich überzeugt davon, dass das der

00:22:50: Weg ist, der zwar die allerwenigsten

00:22:53: beschritten, und ich kommentiere auch nicht

00:22:55: andere Geschäftsmodelle, aber wenn du diese

00:22:57: Unabhängigkeit haben willst, dann musst du

00:22:59: eine klare Governance in der Struktur des

00:23:01: Clubs haben.

00:23:01: Wenn das anfängt, aufgeweicht zu werden,

00:23:05: wenn die einen plötzlich

00:23:07: aus ihren Rollen rausfallen und reinreden,

00:23:09: was die anderen gut oder weniger gut

00:23:13: gemacht haben, dann gibt es irgendwann, vor

00:23:15: allem dann, wenn es nicht mehr gut läuft

00:23:17: sportlich, einen riesigen Durcheinander.

00:23:19: Weil dann sind die einen, die sagen, ja, es ist

00:23:22: blöd, aber wir sind nicht schuld, die Schuld

00:23:24: sind die.

00:23:24: Und dann bist du bei zeigen, zeigen, zeigen,

00:23:26: der ist schuld, der ist schuld, der ist schuld

00:23:28: und dann kann er sagen, dann fällt

00:23:31: irgendwann alles auseinander.

00:23:33: Du musst in diesen eher schwierigen

00:23:35: Momenten voll zu deiner Crew stehen.

00:23:37: Dann lässt es dich nie fallen.

00:23:39: Aber ein Chef, der dauernd nur brilliert, wenn

00:23:43: alles gut läuft und das dann alles nochmal auf

00:23:46: sich bezieht und die anderen nur, auf Deutsch

00:23:49: gesagt, zusammenschiesst, wenn es nicht gut

00:23:51: läuft, der hat relativ eine kurze

00:23:53: Halbwertszeit.

00:23:54: Solltet ihr haben.

00:23:55: Wenn du aber dann natürlich den ganzen

00:23:58: Laden zahlst, dann kann niemand kommen

00:24:00: und dann ist alles anders.

00:24:02: Man kann es so machen.

00:24:03: Ich würde es nicht wollen.

00:24:05: Ich bin froh, dass das nicht so ist bei uns.

00:24:07: Ich weiss nicht, ob es immer so bleibt, aber

00:24:10: solange ich dabei bin, muss es so sein, sonst

00:24:12: bin ich weg.

00:24:13: Klare Ansage, klare Haltung.

00:24:16: So wie du bist und so wie man dich

00:24:18: wahrnimmt, das ist stark spürbar und finde

00:24:22: ich auch toll, dass es das überhaupt gibt im

00:24:24: Fussball.

00:24:25: In einem Business, wo es eigentlich in der

00:24:27: Regel genau andersrum läuft.

00:24:29: Kommen wir zum Der Fussball ist ein Abbild

00:24:34: der Gesellschaft, das wissen wir.

00:24:36: Fussball ist ein Ventil für viele.

00:24:38: Viele gehen ins Stadion.

00:24:39: Viele sind friedlich, viele nicht so friedlich.

00:24:44: Das hast du alles auch schon erlebt.

00:24:45: Wie hat sich das in deiner Amtszeit

00:24:48: verändert?

00:24:48: Wie sieht man das, wie sich die Gesellschaft

00:24:52: verändert hat, wie sich die Fans im Stadion

00:24:54: verändern?

00:24:54: Dass es ein Ventil sein kann,

00:24:58: Ist klar.

00:24:58: Und das gilt übrigens nicht nur für die

00:25:00: eigentliche Fankurve, wo die organisierte

00:25:02: Fanszene drin ist, sondern das siehst du in

00:25:05: den Logen und auf den besten Plätzen der

00:25:08: Tribüne.

00:25:08: Da fallen zum Teil Ausdrücke, die ich selber

00:25:11: überhaupt nicht lustig finde.

00:25:12: Und da habe ich auch schon jemanden

00:25:14: ziemlich böse angeschaut während dem Spiel.

00:25:16: Wenn es mir einfach zu bunt wird, wenn ich

00:25:17: finde, jetzt wird eine Respektsebene, wo ich

00:25:20: auch versuchen zu leben, im täglichen

00:25:23: Umgang mit anderen Menschen, wird jetzt

00:25:25: einfach verletzt.

00:25:26: bei aller Kulanz, die du haben musst, weil halt

00:25:28: die Emotionen total hoch und runter gehen.

00:25:30: Das ist im Sport so.

00:25:31: Dass die Fans singen, einerseits sehr schön

00:25:35: können sie, fast hymnenartig, und

00:25:36: andererseits nur Schmähgesänge.

00:25:38: Das ist einfach so.

00:25:39: Ich finde das nicht lustig, wenn man den

00:25:40: Gegner diffamiert und den Schiri runter

00:25:43: macht und so.

00:25:43: Das finde ich überhaupt nicht lustig.

00:25:46: Aber es ist ein Stück weit Teil von dieser Welt,

00:25:49: die wir uns dabei bewegen.

00:25:50: Und wenn es dann den Effekt hat, dass es für

00:25:54: gewisse Leute auch ein Ventil sein kann und

00:25:56: Sie sind dann dafür noch einmal wie Lämmer

00:25:59: unterwegs und haben den ganzen Frust oder

00:26:01: Freude aus, dann ist das in Ordnung.

00:26:04: Solange es nicht mit Gewalt verbunden ist.

00:26:06: Und erstens einmal ist das Thema Fans, also

00:26:09: auch der Dialog mit der organisierten

00:26:11: Fanszene, mit denen, die vielfach super cool

00:26:15: agieren, in Einzelfällen völlig daneben.

00:26:18: Schwierige Momente, auch für mich selber,

00:26:21: die richtig weh tun, wenn irgendein

00:26:24: Zugwagen auseinandergenommen wird,

00:26:25: wenn in einem Stadion Leute diffamiert

00:26:27: werden, wenn ein Rauch gezündet wird und

00:26:30: das Spiel unterbrochen wird.

00:26:31: Das ist alles nicht lustig.

00:26:33: Und beim FC St.

00:26:34: Gallen ist der Dialog mit den Fans Chefsache,

00:26:36: seit ich dabei bin.

00:26:37: Ich könnte das auch delegieren, aber ich

00:26:39: finde...

00:26:40: Du redest regelmässig mit dem Fan, bei

00:26:43: Auftreiten und so weiter.

00:26:44: Ja, ja, aber richtig tief in den Szenen auch,

00:26:47: weil du musst Einblick haben in diese Welt.

00:26:50: Und weisst du, wir könnten jetzt zwei

00:26:53: Stunden aus dem Stand über das Thema

00:26:54: reden.

00:26:55: Am Anfang hatte ich auch nur die Aussicht.

00:26:58: Heute, glaube ich, habe ich schon einen

00:27:00: vertieften Einblick.

00:27:01: Und darum ist es eine ganz komplexe

00:27:03: Geschichte, die sehr viel mit der Gesellschaft

00:27:07: generell zu tun hat.

00:27:08: Die Menschen, die bei uns im Stadion sind, die

00:27:10: kommen quer durch alle

00:27:11: Gesellschaftsschichten, kommen zu uns ins

00:27:13: Stadion.

00:27:14: Die, die in der Kurve sind und Sachen

00:27:17: machen, die eigentlich theoretisch verboten

00:27:19: sind, die du lieber nicht hast, die sind nicht

00:27:22: alle irgendwo ab dem Karren gefallen.

00:27:24: Nein, die kommen aus den ganze Gesellschaft

00:27:26: raus und da würdest du noch staunen, wenn

00:27:28: du sie sehen würdest, die am Montagmorgen

00:27:30: wieder schön brav auf ihrem Stuhl vor dem

00:27:33: PC sitzen und ja, ja, ja, ja.

00:27:36: Es ist nicht alles so einfach erklärbar.

00:27:39: Und dann hat es da auch, das ist wie eine

00:27:42: Subkultur, da fühlen sich auch Menschen

00:27:44: aufgehoben, die sich sonst nie richtig

00:27:47: aufgehoben fühlen.

00:27:48: Und das ist das Schöne.

00:27:48: Das ist einerseits super, andererseits

00:27:53: kann es dann auch in der anonymen Masse zu

00:27:56: Problemen führen.

00:27:57: Das ist einfach so.

00:27:58: Man könnte ja nicht alle bis Vögelblut

00:28:01: ausziehen, wenn sie ins Stadion laufen und

00:28:03: kontrollieren.

00:28:04: Das geht nicht.

00:28:05: Das wäre bei uns überhaupt nicht machbar

00:28:08: und ist auch nicht vorausgesetzt, jetzt rein

00:28:10: von der Sicherheitsauflage.

00:28:11: Aber, und es kommt noch dazu, im Medial

00:28:15: wird natürlich immer etwas geheißen und

00:28:17: aufgeheizt, wenn irgendwo etwas passiert.

00:28:19: Dann kommen immer diese Bilder.

00:28:21: Wenn die Fans im Stadion eine sensationelle

00:28:23: Choreografie machen, Kunstwerke gemalt

00:28:26: haben, dann ist das, nehmen Sie es zur

00:28:28: Kenntnis, nie ein Thema.

00:28:30: Wenn ich sehe, was im sozialen Bereich

00:28:32: abgeht, dann stelle ich einfach fest, dass man

00:28:35: sich dann viel zu wenig für das Alltägliche

00:28:37: interessiert.

00:28:38: Man interessiert sich nur immer für den

00:28:41: Klopf, im wahrsten Sinne des Wortes.

00:28:43: Aber zum Schluss, die Sicherheitssituation bei

00:28:45: uns im Stadion hat sich in den letzten zehn

00:28:47: Jahren deutlich verbessert.

00:28:49: Das bestätigen die Polizei, das bestätigen alle.

00:28:52: Und wir haben noch nie so viele Familien, wir

00:28:55: haben noch nie so viele Kinder, wir haben

00:28:56: noch nie so viele Frauen, die alleine oder mit

00:28:58: anderen Frauen Matchs schauen können im

00:29:01: Stadion KW heute.

00:29:02: Also muss ja die Sicherheitssituation eine

00:29:05: vernünftige sein.

00:29:06: Das gibt keine garantie für nichts, aber wir

00:29:09: machen richtig viel in diesem Bereich.

00:29:11: Ja, ihr müsst auch viel machen, weil sich das

00:29:13: verändert hat.

00:29:13: Gesellschaft ist irgendwie Spürst du das auch

00:29:16: ausserhalb des Stadions, dass sich das

00:29:18: verändert hat, dass die Aggressivität, die

00:29:21: Leute sind aggressiv geworden, sie sind direkt

00:29:23: geworden, sie sind...

00:29:25: Ja, es gibt beides.

00:29:26: Wurdest du auch angesprochen in St.

00:29:28: Gallen von Leuten, die auch mal sagen...

00:29:32: Ja, natürlich reklamieren sie oder sagen, da

00:29:34: könnte jemand den Bremer entlassen.

00:29:34: Nein, HA, nicht.

00:29:39: Ich scheuche auch Konfrontationen.

00:29:41: Ich bin relativ intensiv auch in der Stadt

00:29:44: unterwegs, aber auch in der Region, aber

00:29:46: auch privat.

00:29:47: Du musst einfach jemanden an deiner Seite

00:29:48: haben, der das mitmacht, dass alle Leute

00:29:50: dann nur vom FC St.Gallen reden, wenn sie

00:29:52: dich sehen.

00:29:53: Ist klar, aber ich habe dann schon auch meine

00:29:55: Strategie, also es ist alles nicht so schlimm

00:29:57: und es ist selbst gewählt, das schicke ich alle

00:29:59: Anführungszeichen.

00:30:00: Ich mache es ja frei, weil ich zwinge mich

00:30:02: niemanden dazu.

00:30:03: Aber nein, kann ich nicht sagen, Ich glaube,

00:30:06: dass der Graben immer tiefer wird zwischen

00:30:10: denen, die sich in der Gesellschaft

00:30:12: engagieren, die auch Courage haben zum

00:30:15: Eingreifen, wenn irgendwo etwas aus dem

00:30:17: Ruder läuft, und denen, die vielleicht ein

00:30:20: Stück weit abgelöscht sind, die diese Energie

00:30:24: nicht haben, um weiter rauszuschauen oder

00:30:28: sich zu engagieren als für sich selber.

00:30:30: Weil dort schon Probleme drin sind.

00:30:33: Aber es hat jede Gesellschaft

00:30:35: auch in der Geschichte der Welt und dieses

00:30:38: Land ihre Probleme hatten.

00:30:41: Das ist ja nichts Neues.

00:30:42: Ich finde einfach, dass es in diesem Bereich,

00:30:45: wenn wir von unserer Kurve reden, um

00:30:48: nochmal zu dem zurückzukommen, da sind

00:30:50: 3-4'000 Leute drin und der inneren Kern sind

00:30:53: vielleicht 2'000 Leute und dann geht es runter

00:30:56: zu 500, die total für das leben und dann 50,

00:31:00: die du nicht erreichst, die auch anfällig sind,

00:31:04: halt einfach auch Gewalt anzuwenden.

00:31:06: Und die geben ja dann einen Teil von ihrem

00:31:10: Leben für das Ding.

00:31:11: Das ist der grösste Jugendtreff in der

00:31:13: Ostschweiz, mit Abstand.

00:31:14: Der grösste Jugendtreff.

00:31:16: Da hat es 13, 14-Jährige, die fahren mit dem

00:31:19: Fernzug auf Genf am Match.

00:31:20: Und da ist niemand dabei.

00:31:22: Da sind keine Eltern dabei.

00:31:23: Die sind alleine unterwegs.

00:31:25: Und sind dann aufgenommen in dieser

00:31:28: Gemeinschaft und fühlen sich dort

00:31:31: aufgehoben und wollen sich dort dann

00:31:32: irgendwie...

00:31:33: auch ihren Platz sichern.

00:31:35: Das ist im Fall hochspannend, um das ein

00:31:37: bisschen genauer anzuschauen.

00:31:38: Und auch sonst sehe ich natürlich, dass nicht

00:31:43: alle Menschen das Glück haben, in einer

00:31:45: Umgebung aufzuwachsen, wo sie gut

00:31:48: aufgehoben sind, wo man sich um sie sorgt,

00:31:50: wo man gut zu ihnen schaut.

00:31:52: Und das ist ein Ort, wo man es eben kann und

00:31:55: wenn man schaut und das Ganze noch

00:31:56: sicherheitsmässig.

00:31:58: Der Fussball kann nicht für alles gerade

00:31:59: stehen.

00:31:59: Die Frage ist ja immer, wo hört die

00:32:03: Verantwortung auf?

00:32:05: Unsere Verantwortung, das ist klar deklariert,

00:32:08: liegt im Stadion.

00:32:09: Wenn es Probleme gibt, ist es sehr oft auf der

00:32:12: Reisewege oder ausserhalb des Stadions.

00:32:15: Wir haben keine Polizeikompanie bei

00:32:20: unserem Klub, bei der man keine

00:32:21: Schlossschritte aufräumen kann.

00:32:23: So einfach ist es nicht.

00:32:26: Das geht nicht, oder?

00:32:27: Aber du willst sagen, der Fussball ist heute,

00:32:29: wenn man es so anschaut und vergleicht zu

00:32:30: früher, er bringt die Leute immer noch

00:32:33: zusammen, er trägt die Leute nicht

00:32:35: grundsätzlich.

00:32:36: Nein, bei uns mehr denn je.

00:32:38: Also es ist total verbindend.

00:32:40: Wir haben wirklich so viele Leute aus

00:32:44: verschiedensten Bereichen treffen sich bei

00:32:47: uns im Stadion.

00:32:47: Und da war ein grosses Ziel, als wir

00:32:50: angefangen haben, wollten wir ein Match im

00:32:53: Kibumpark zu einem gesellschaftlichen

00:32:55: Ereignis machen.

00:32:56: die nicht nur abhängig ist, ob wir gewinnen

00:32:58: oder verlieren.

00:32:59: Natürlich gehen die Leute fröhlicher nach

00:33:01: Hause, wenn wir gewonnen haben.

00:33:02: Natürlich sind sie verärgert, wenn wir zwei

00:33:05: Penalte verschossen haben und am Schluss

00:33:06: den Match verlieren.

00:33:08: Das ist alles klar.

00:33:08: Aber das Erlebnis als solches soll einfach gut

00:33:11: sein.

00:33:12: Das heisst, es muss eben auch eine

00:33:13: Atmosphäre sein, in die du gerne reingehst.

00:33:15: Fussball, ein grosses Thema.

00:33:18: In dem SRF persönlich, das ich noch gelesen

00:33:21: habe, hast du gesagt, das grosse Problem,

00:33:24: bevor du Präsident warst, warst du im FC St.

00:33:25: Gallen.

00:33:26: Ein grosses Problem beim Fussball ist, dass es

00:33:28: eine Zwei-Klasse-Gesellschaft gibt.

00:33:30: Die Fussballer, in der Schweiz ist es noch

00:33:32: anders, aber international, haben eine

00:33:34: unheimliche Kälte.

00:33:35: Der Fan geht in jeden Center raus, damit er

00:33:38: noch im Stadion sein kann.

00:33:39: Das ist ein Problem beim Fussball generell.

00:33:42: Wie siehst du das auch hier in der Schweiz

00:33:45: oder ganz generell?

00:33:47: Das ist eine schwierige Entwicklung.

00:33:49: Ja, das ist klar.

00:33:50: Der Europa-Spitzenfussball ist schon lange

00:33:53: abgespaced.

00:33:54: Die sind in einer Rakete unterwegs, wo wir

00:33:57: nie werden.

00:33:58: Aber das fängt ja auch schon an.

00:34:01: Das sind ja gut bezahlte Spieler, die du schon

00:34:04: angesprochen hast.

00:34:04: Zum Teil ist es völlig exzessiv und das finde

00:34:07: ich überhaupt nicht gut.

00:34:10: Aber die Frage ist ja immer, Soll ich etwas

00:34:13: nicht gut finden und resignieren, oder soll ich

00:34:16: etwas nicht gut finden und versuchen, etwas

00:34:18: anderes besser zu machen?

00:34:20: Und ich bin ein totaler Anhänger davon, dass

00:34:23: man, das versuche ich auch in unsere

00:34:25: Organisation hineinzubringen, hey, wir

00:34:28: müssen da können oder wollen beeinflussen

00:34:31: oder versuchen zu beeinflussen, was wir

00:34:32: wirklich auch können.

00:34:33: Alles andere musst du ein Stück weit einfach

00:34:35: akzeptieren.

00:34:36: Und das kann recht radikal sein, also auch in

00:34:39: einem Spiel hinein.

00:34:40: Es gibt immer Situationen, wo die Mannschaft

00:34:42: reinkommt, die laufen überhaupt nicht gut,

00:34:44: du bist im Rückstand und dann kannst du

00:34:49: entweder sagen, okay, wir gehen runter, oder

00:34:52: Fahne hissen, oder du kannst sagen, hey, wir

00:34:55: packen das und wir sind jetzt in dieser blöden

00:34:58: Situation und wir müssen versuchen,

00:35:00: gemeinsam rauszukommen.

00:35:01: Und das ist etwas, wo du so da ist mehr als

00:35:06: einfach ein paar gute Sprüche, bevor man auf

00:35:08: den Platz rausgeht.

00:35:09: Die Schlachtrufe, das ist nicht meine Aufgabe,

00:35:14: die zu verbreiten, sondern meine Aufgabe ist

00:35:16: es, auch in besonderen Momenten, wenn ich

00:35:18: zu dieser Mannschaft rede, mit dem Trainer

00:35:22: bin ich sehr oft in Kontakt, einfach

00:35:23: versuchen, zwei, drei Punkte, die wesentlich

00:35:26: sind, die mit Grundhaltung etwas zu tun

00:35:28: haben, mit Wert auch, und mit einer

00:35:31: Grundeinstellung, dass man die reinbringen

00:35:34: kann.

00:35:34: in der Organisation.

00:35:35: Und die dürfen nicht nur abhängig sein, auch

00:35:39: hier wiederum vom Resultat.

00:35:40: Wir sind in der Schweiz in einer Nische und

00:35:42: der FC St.

00:35:43: Gallen ist gerade nochmals in einer eigenen

00:35:45: Nische, weil verglichen mit Ebay oder Basel

00:35:47: haben wir wirtschaftlich keine Chance.

00:35:49: Keine Chance.

00:35:51: Aber wir sind fortan im Moment.

00:35:53: Und dann einiges, oder?

00:35:55: Ja, einiges.

00:35:56: Ich hoffe, wir schlagen jetzt analog an und

00:35:59: dann sind wir da richtig protest unterwegs.

00:36:02: Und das machen wir ja mit den Mitteln, die

00:36:04: wir zur Verfügung haben.

00:36:05: Das zeigt sich auch, dass die Werte, die du

00:36:07: angesprochen hast, die sind so unglaublich

00:36:09: wichtig.

00:36:09: Was sind die wichtigsten Werte?

00:36:11: Du hast ein paar Sachen schon angehört

00:36:12: heute.

00:36:13: Glaubwürdigkeit.

00:36:15: Also ich kann jetzt nicht hier rein sein und

00:36:19: dann erzähle ich euch irgendetwas, die

00:36:20: grösste Schalmei, laufe wieder raus, sitze ins

00:36:23: Auto und mache genau das Gegenteil von

00:36:26: dem, was ich jetzt hier erzählt habe.

00:36:27: Also so sein, wie man ist.

00:36:30: Ich glaube nicht, dass ich mich irgendwie

00:36:32: verstelle.

00:36:33: Wenn dann so etwas anfängt, fängt es an und

00:36:35: dann bin ich da und ich sage, ja, mit mir

00:36:38: musst du keine Fragen vorbesprechen, weil

00:36:39: das ist mir lieber.

00:36:42: Ich kann frisch von der Leber weg reden,

00:36:45: ohne dass jetzt jeder Satz wahnsinnig weise

00:36:48: sein muss.

00:36:48: Diese Grundvoraussetzung bringe ich nicht

00:36:51: mit, das ist auch nicht nötig.

00:36:53: Klarheit.

00:36:54: Für mich hat Führungsarbeit sehr viel mit

00:36:59: Klarheit zu tun.

00:37:00: dass die Leute gegen innen und gegen aussen

00:37:03: wissen, woran sie mit dir sind.

00:37:05: Dass du in einem gewissen Mass berechenbar

00:37:08: bist.

00:37:09: Dass nicht heute so, morgen so, heute bist du

00:37:12: wütend, morgen bist du glücklich.

00:37:13: Man darf aber deine Stimmungen schon auch

00:37:16: merken.

00:37:16: Genau, das muss ja Platz haben.

00:37:19: Aber nicht im Umgang mit anderen

00:37:22: Menschen.

00:37:22: Wenn wir verlieren, ist doch das Falscheste

00:37:25: der Welt, wenn ich nachher drei Tage lang

00:37:28: einen Kragen mache

00:37:29: durch das Stadion durchlaufen und allen zu

00:37:32: fühlen gibt, hey, du bist mir einen riesen

00:37:34: Seich gemacht und du bist schuld und du bist,

00:37:36: und ich bin jetzt verrückt, weil ich bin ja

00:37:38: schliesslich, nein, ich bin ein Teil von dem.

00:37:40: Und ich sage immer, bei uns scheint die

00:37:43: Sonne für alle, wenn wir Erfolg haben, gehört

00:37:46: ihr allen und es steht nie jemand allein im

00:37:48: Regen draussen.

00:37:49: Da musst du aber, jetzt kann ich das sagen,

00:37:52: da kannst du irgendwo die Wand

00:37:53: hochschreiben, das klingt mir gut.

00:37:55: Du musst es leben.

00:37:57: Sonst hast du alles hohle Sprüche vergessen.

00:37:59: Das braucht Kraft und Gleichwohl.

00:38:04: Das Amt löst unglaublich viele Emotionen.

00:38:09: Das ist ja der Lohn schlussendlich auch.

00:38:11: Du lebst mit, du gewinnst einmal ein Spiel.

00:38:14: Das sind so viele emotionale Momente.

00:38:15: Was ist emotional?

00:38:18: So ein Drei-Punkte-Sieg?

00:38:21: Oder der Fall, wo es auch gegeben hat?

00:38:24: dass ein junger Junge auf grünem Papier dir

00:38:27: einen Brief schreibt und sagt, ich wollte

00:38:28: nachstehen für das Grand-Final-Tickets.

00:38:30: Er stand stundenweise an der Reihe und dann

00:38:34: wurde ich weggedrängt.

00:38:34: Und jetzt habe ich keine Tickets bekommen.

00:38:37: Und du schreibst ihm zurück und schenkst

00:38:39: ihm zwei Tickets.

00:38:40: Was löst das in dir aus?

00:38:43: Das ist etwas Sensationelles.

00:38:44: Ist das vergleichbar mit Musik?

00:38:47: Das ist schwierig zu vergleichen.

00:38:52: Ich würde es auch nicht vergleichen.

00:38:54: Aber man hat ja immer das Gefühl, man

00:38:57: kümmere sich nur immer um die, die gross

00:38:59: sind, die viel Geld in den Verein bringen, die

00:39:03: wichtige Rollen spielen, die Bedeutung haben

00:39:06: in der Gesellschaft.

00:39:07: Ist alles gut und recht, ist wichtig.

00:39:09: Aber das Zusammenleben der Menschen, das

00:39:13: baust du immer wieder auf kleine Schästen

00:39:17: auf.

00:39:17: Und die können wirklich ganz klein sein.

00:39:20: Und ich habe immer so, ich habe, als ich

00:39:23: Als ich nach St.Gallen kam, lebte ich mitten in

00:39:26: der Stadt, in der Goliath-Klasse.

00:39:27: Das ist so eine Ausgangsmeile.

00:39:29: Ich bin in der Stadt aufgewachsen und meine

00:39:31: Eltern haben immer gesagt, du kannst überall

00:39:32: hin, aber nicht an die Goliath-Klasse.

00:39:34: Weil dort hatten sie so ein paar Spelunker.

00:39:36: Und dort landete ich in der Wohnung.

00:39:40: Wir sind dann nachher in der Familie

00:39:42: nachgekommen.

00:39:42: Und ich hatte dort wirklich so eine Bar, wo

00:39:47: jetzt Leute drin sind, wahrscheinlich einfach

00:39:50: Geld im Sack haben, um Billetten für die

00:39:52: Matchs zu kaufen oder so, wo andere

00:39:56: vielleicht einen Bogen um sie herum machen

00:39:58: würden, das mache ich nicht, habe ich immer

00:39:59: ein bisschen Billetten im Sack gehabt und bei

00:40:02: denen manchmal verteilt.

00:40:03: Und was löst das aus?

00:40:04: Eine scheisse Freude auf gut Deutsch.

00:40:06: Und bei dir selbst?

00:40:07: Bei mir natürlich und bei denen natürlich

00:40:09: auch.

00:40:10: Oder auch bei einem Kind, weisst du, heute

00:40:12: ist es ja so, es gibt so eine Marotte, dass die

00:40:14: Eltern sagen ihren Kindern, malen so

00:40:17: Karton-Dingsbums,

00:40:19: Zigi, darf ich dein Trikot haben?

00:40:20: Dann lupfen sie die Kinder noch halb aufs

00:40:23: Spielfeld, finde ich total gaga.

00:40:25: Oder stellen sie in den Vorderstreifen der

00:40:27: Tribüne und am Schluss kann der arme Zigi

00:40:30: gar nicht anders, als dem Kind das Liebling zu

00:40:33: geben, weil er ist unter Druck.

00:40:34: Und das Liebling hat dann nicht das Kind da,

00:40:36: sondern den Vater daheim, oder?

00:40:38: Ist auch klar.

00:40:38: Aber der sitzt oben und geht schlicht

00:40:41: überzeichnet, aber kommt immer wieder vor.

00:40:43: Und das ist so aufdringlich.

00:40:47: Das ist so...

00:40:49: Da schaue ich nicht.

00:40:50: Oder wenn mir jemand von oben runterruft,

00:40:52: kommt jemand viel zuvor.

00:40:53: «Hüppi, kann ich deinen Schal haben?»

00:40:56: «Hüppi, kann ich deinen Schal haben?» In den

00:40:58: allerwenigsten Fällen kommt dann so jemand

00:41:01: meinen Schal rüber.

00:41:01: Aber mein Schal kommt in vielen Fällen

00:41:03: jemandem rüber.

00:41:04: Aber genau dann drei Reihen weiter hinten,

00:41:07: der nicht für die Päffz gibt und nicht einfach

00:41:10: so...

00:41:11: Das brauchst du dann nicht.

00:41:12: Aber das sind alles so kleine Scheisse, die

00:41:15: jemandem schon Freude machen können.

00:41:16: Ich mache auch viele so...

00:41:20: Ich hoffe, es kommen nicht gleich 100

00:41:21: Bestellungen morgen.

00:41:22: Weisst du, so Videos.

00:41:24: Mein Vater wird 80 und er ist ein totaler Fan.

00:41:27: Die Leute verschrecken dann fast, wenn du

00:41:30: etwas machst, wenn sie nicht damit rechnen,

00:41:32: dass du etwas machst.

00:41:33: Und dort bemühe ich mich einfach, auch

00:41:36: diese Wünsche zu erfüllen.

00:41:37: Und die Reaktionen sind dann halt einfach, ja,

00:41:41: da ist so etwas, was bleibt.

00:41:43: Ich muss, die müssen wir nicht nachher

00:41:45: schreiben, ich sei der Grösste und so.

00:41:47: Es geht überhaupt nicht um das.

00:41:48: Aber Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele

00:41:51: Leute mich dann auf irgendetwas

00:41:52: ansprechen, wo ich gar nicht mehr weiss,

00:41:54: dass ich es gemacht habe.

00:41:55: Weil ich das nicht alles in mir behalten habe.

00:41:59: Aber gleichwohl, die Summe, der Teil, das ist

00:42:01: genau das.

00:42:02: Der Lohn ist auch, der emotionale Lohn

00:42:05: verdammt alles.

00:42:05: Vielleicht bin ich auch ein bisschen naiv und

00:42:07: habe das Gefühl, mit dem baust du die Welt.

00:42:09: Aber ich mache es einfach so, wie ich es für

00:42:12: mich kann machen und wie es für den Club

00:42:17: nach meiner Überzeugung gut ist.

00:42:19: Wie lange, ich weiss es nicht.

00:42:22: Vielleicht kommt mal eine Zeit, wo es all das

00:42:23: nicht mehr braucht oder wo dann nicht mehr

00:42:25: gefragt ist und dann weisst du, okay, das war

00:42:27: es und es war super und jetzt gehen wir

00:42:29: weiter, oder?

00:42:30: Jetzt gehen wir weiter.

00:42:31: Ja, weisst du zwar nicht, wohin.

00:42:33: Spannend, Tim.

00:42:35: Ich meine, du hast ein bisschen eine Mission,

00:42:38: würde ich sagen.

00:42:39: Das ist die Mission, würdest du jetzt vielleicht

00:42:40: sagen, nein, ich glaube, es ist eine.

00:42:42: Jetzt sind wir sportlich recht gut, wir sind

00:42:45: Zweiter, eventuell gibt es das Klub-Finale,

00:42:47: einen Titel und so.

00:42:48: Lassen wir das offen.

00:42:50: Aber wenn das passieren würde, du hast

00:42:51: einen Vertrag bis Ende Jahr, ist jetzt der

00:42:54: Zeitpunkt, um zu sagen, es wäre gut, mal

00:42:56: etwas Neues wieder zu machen.

00:42:58: Du bist noch so fit, du bist noch so voller

00:43:00: Tatendrang.

00:43:01: Die Mission, wie so ein bisschen erfüllt dann

00:43:04: auch, wenn der sportliche Modelltitel da

00:43:06: wäre.

00:43:06: Ja, mit grösster Wahrscheinlichkeit, ich

00:43:11: unterschreibe es jetzt nicht auf diesem Tisch,

00:43:12: Aber mit grösster Wahrscheinlichkeit wird,

00:43:15: wenn ich nochmal etwas in Angriff nehme,

00:43:17: wird es etwas sein, das nicht an der

00:43:19: Öffentlichkeit stattfindet.

00:43:20: Ich bin mich zwar total gewohnt, dass das so

00:43:23: ist.

00:43:23: Exponiert bin ich, seit ich beim Fernsehen

00:43:25: Beeps gemacht habe, oder?

00:43:26: Und das war am Anfang im Falle ein rechter

00:43:29: Lärmprozess, Umgang mit öffentlicher Kritik.

00:43:32: Ich meine, die einen haben gesagt, das ist der

00:43:34: Grösste mit Anlauf, die anderen haben

00:43:35: gesagt, das ist eine Riesenpfeife, der soll

00:43:37: sofort aufhören.

00:43:38: Und so, das ist ja immer so hoch und runter

00:43:41: gegangen.

00:43:42: Das Lernen mit dem Umgehen ist etwas vom

00:43:44: Wichtigsten.

00:43:45: Und das ist übrigens auch etwas, was ich

00:43:47: versuche unseren jungen Spielern zu

00:43:49: vermitteln.

00:43:50: Nicht in einer Lehrstunde von oben herab

00:43:52: und ich bin auf dem Pult und sie sitzen in der

00:43:54: Schule.

00:43:54: Sondern einfach immer meistens anhand von

00:43:56: Beispielen.

00:43:58: Auch mal sagen, hey, du musst wissen, das ist

00:44:00: Normalität.

00:44:01: Die Öffentlichkeit ist bei uns Normalität.

00:44:03: Es gibt ein paar gute Tricks, wie man mit dem

00:44:07: Lernen umgehen kann.

00:44:08: Und das ist ein langwieriger Prozess, brauchst

00:44:10: also ein bisschen Distanz.

00:44:11: Also die Öffentlichkeit ist für mich überhaupt

00:44:13: kein Problem mehr.

00:44:14: Also hoffentlich auch nicht, sonst hätte ich ja

00:44:16: nie so lange Fernsehen machen können.

00:44:17: Und trotzdem darf es dann auch mal etwas

00:44:20: sein, das nicht im hellen Licht, im Spotlight

00:44:25: ist.

00:44:26: Ja genau, aber ich weiss gar nicht, ob ich das

00:44:28: könnte, wenn es dann nicht so ist.

00:44:30: Also es gibt ja Leute, die sagen, du musst

00:44:32: immer etwas machen, wo irgendwo jemand

00:44:34: anspricht.

00:44:37: Ich weiss es nicht, aber das ist ja auch nicht

00:44:38: eine Frage der Grösse der Gruppe.

00:44:40: Sondern wahrscheinlich eher eine Frage, dass

00:44:44: es irgendwie menschlich sein muss.

00:44:45: Und dass ich nicht für mich selber etwas

00:44:49: werken könnte.

00:44:50: Ich bin ein ganz hundslausiger Handwerker,

00:44:53: notabene.

00:44:54: Man muss auch nicht gross in die Arte stellen.

00:44:56: Da mache ich einfach nur die grobmotorische

00:45:00: Geschichte.

00:45:00: Es passiert dann, wenn es passiert.

00:45:03: Da sind wir genau bei dem Punkt angelangt.

00:45:04: Was hast du am meisten über dich selber

00:45:07: gelernt in den acht Jahren?

00:45:08: Auch überraschend, was über dich?

00:45:10: Wahrscheinlich schon auch, dass ich gelernt

00:45:14: habe, mich auch von mir selber ein bisschen

00:45:17: zu distanzieren.

00:45:20: Weisst du, das klingt jetzt auch komisch.

00:45:21: Das klingt auch komisch, ja.

00:45:22: Ja, aber weisst du, nicht alles so auf mich

00:45:25: selber ein bisschen wegtreten, oder?

00:45:27: Dass man auch sagt, hey, das ist jetzt zwar

00:45:29: richtig schlecht oder so gelaufen, aber hey, du

00:45:33: musst das nicht alles auf deinen Schultern

00:45:36: tragen.

00:45:37: Das meine ich damit.

00:45:37: Ich habe es ein bisschen komisch formuliert.

00:45:40: Also, Auch die Distanz gewinnen zu gewissen

00:45:42: Sachen, die dann halt passieren.

00:45:44: Auch ein bisschen entspannter zu werden in

00:45:48: diesem Metier ist nicht ganz so einfach.

00:45:51: Ja, aber auch...

00:45:54: Da kommt mir der Satz in den Sinn, wo

00:45:56: Nadine Angerer gesagt hat, der Livia Peng vor

00:45:59: der EM, als sie in den Stadion rausgefahren

00:46:01: sind, Nummer 1 war, sind wir da besprochen,

00:46:03: als sie zu jedem gesagt hat, Livia, du musst

00:46:06: den Fanatikern in der Schweiz retten heute.

00:46:08: Es geht ein bisschen in die Richtung, oder?

00:46:10: Ich muss alles Verantwortung übernehmen,

00:46:12: Fans und so.

00:46:14: Das stimmt.

00:46:15: Und das höre ich dann zu Hause auch viel,

00:46:17: wenn man mir wieder anmerkt, dass die Last

00:46:20: relativ gross ist.

00:46:22: Dann sagt das meine Frau natürlich auch,

00:46:24: jetzt hör mal auf, das so wichtig zu machen,

00:46:26: respektive sie kann auch sagen, hör mal auf,

00:46:28: dich selber so wichtig zu nehmen, oder?

00:46:30: Weil im Endeffekt geht es ja dann noch um

00:46:34: das.

00:46:34: Also es läuft dann schon auch, wenn die Aber

00:46:37: es hat einfach auch mit Engagement und mit

00:46:41: Leidenschaft zu tun.

00:46:42: Was ich natürlich gelernt habe, ist harte

00:46:45: Entscheidfälle, ohne Angst vor den

00:46:47: Konsequenzen.

00:46:48: Auch gelernt, dass man nicht allen alles

00:46:51: erklären kann.

00:46:52: Und noch wichtiger, nicht allen alles muss

00:46:56: erklären.

00:46:56: Gerade auch, wenn es darum geht, schwierige

00:46:59: Entscheidungen zu kommunizieren.

00:47:00: Schon kommunizieren, aber du kannst dort

00:47:02: nicht alles immer an der Öffentlichkeit

00:47:04: austragen.

00:47:06: Das ist so eine Bühne.

00:47:10: Und dann hast du die Medienbühne und die

00:47:12: warten ja darauf, dass sie knallige

00:47:14: Schlagzeilen machen können und so.

00:47:15: Und wenn du, sagen wir mal, Streit an der

00:47:18: Öffentlichkeit ausfechtest, was im

00:47:21: exponierten Sport noch hin und wieder

00:47:22: vorkommt, dann ist das der falscheste Ort,

00:47:26: den es gibt.

00:47:26: Eine Schlammschlacht klingt jetzt hart, oder?

00:47:29: Ich war jetzt noch keiner unterworfen in

00:47:31: diesen acht Jahren, aber ansatzweise hätte es

00:47:34: das schon geben können.

00:47:35: an der Öffentlichkeit hinterlässt nur

00:47:36: Verlierer.

00:47:37: Auch wenn du meinst, du seist jetzt der

00:47:39: grosse Gewinner da in allen Bereichen und

00:47:41: alle sagen, leck, richtig gemacht und so, es

00:47:44: hinterlässt eigentlich nur Verlierer.

00:47:46: Und darum, da muss man auch zum Teil

00:47:48: einfach für sich behalten können.

00:47:50: Und auch einmal in den Tisch hineinbeissen

00:47:52: und sagen, hey, ich nehme jetzt in Kauf, dass

00:47:54: die Leute sagen, äh,

00:47:56: der Entscheid ist nicht genug gut erklärt

00:47:58: worden, wahrscheinlich ist er falsch,

00:48:00: wahrscheinlich hat er Angst, um das zu

00:48:01: erklären.

00:48:02: Ja, dann nehme ich das halt so entgegen und

00:48:05: lebe damit.

00:48:05: Das habe ich gelernt.

00:48:07: Apropos, wie geht es weiter mit dir?

00:48:09: Ich hätte noch einen Vorschlag.

00:48:10: Dein Bruder war Verwaltungsrat in der FC St.

00:48:13: Gallen, dann bist du Präsident geworden der

00:48:15: FC St.

00:48:15: Gallen.

00:48:16: Dein Onkel war Bundesrat.

00:48:18: Ja, ja, ausgerechnet, ja.

00:48:21: Da gibt es geeignetere Kandidaturen.

00:48:24: Ich möchte das Thema schon kurz noch

00:48:25: ansprechen.

00:48:25: Ich meine, Politik kann man etwas

00:48:28: weitergeben, so Stimmen wie diese sind

00:48:32: dringend gesucht.

00:48:33: Ja, das weiss ich nicht.

00:48:34: Vielleicht ist genau gesucht an dem Ort, wo

00:48:37: ich jetzt bin und früher noch gewesen bin und

00:48:39: nicht zwingend in der Politik.

00:48:41: Ich bin ein politisch interessierter Mensch,

00:48:47: bilde mir meine Meinung.

00:48:50: tue mich aber in der Öffentlichkeit nicht

00:48:51: gross dazu äussern, weil das wird ja immer

00:48:53: wieder an mich herangetragen, könnte ich

00:48:54: nicht noch in so einer inneren Funktion

00:48:56: einfach neutral sein, weil das bringt ja nichts,

00:48:58: wenn ich nachher noch irgendwie mir

00:49:00: Lampen einhandle, weil die einen finden, wie

00:49:03: kann man nur so eine Haltung oder so eine

00:49:05: Meinung vertreten, hat nichts mit Angst zu

00:49:07: tun, aber jede Diskussion brauche ich dann

00:49:10: nicht, ich habe eigentlich sonst schon genug

00:49:11: Themen bei mir auf dem Tisch.

00:49:13: Politik, ja, stelle ich mir halt einfach, und das

00:49:18: ist auch mühsam, oder?

00:49:20: Wie lange das geht, bist du miteinander.

00:49:22: Und das sind die Prozesse, der demokratische

00:49:25: Prozess.

00:49:26: Ich bewundere die Leute, die das können.

00:49:28: Aber dann ist mal etwas entschieden und

00:49:31: nachher ist es trotzdem nicht so ganz

00:49:32: entschieden, weil man könnte normal alles

00:49:35: überdenken und bis es entschieden ist, geht

00:49:37: es mega lang und so.

00:49:39: Da ist 90 Minuten viel einfacher, oder?

00:49:40: Da gibt es einen Sieger...

00:49:41: Ja, natürlich.

00:49:41: Der Fussball ist sowieso viel einfacher am

00:49:43: Schluss des Tages.

00:49:44: Lassen wir das Thema Bundesrat, das merke

00:49:46: ich schon, das wird es nie werden.

00:49:48: Da bin ich doch viel zu alt, da bin ich jung, ja?

00:49:49: Nein, nein, zu alt.

00:49:50: Ja, gut, der amerikanische Präsident ist

00:49:53: schon...

00:49:53: Das ist immer so eine Nase, ich sage.

00:49:54: Aber da sehen wir ja jetzt...

00:49:56: Perspektive, Geschichte.

00:49:57: Aber wenn es du könntest, aus deiner

00:49:59: Erfahrung, und wenn du siehst, wie es auf die

00:50:01: Welt, auf die Schweiz, auf den Fussball, was

00:50:03: ist so alles, was alles läuft oder eben nicht

00:50:06: läuft, wenn du könntest sagen, den Leuten

00:50:08: einfach so einen einfachen Tipp geben, bei

00:50:09: dem jeder bei sich selber mal anfangen

00:50:11: könnte, sich zu verändern, der vielleicht ein

00:50:14: bisschen eine bessere Welt machen würde.

00:50:15: Was wäre das?

00:50:16: Sicher reden miteinander.

00:50:17: Aber nicht nur reden, sondern vor allem auch

00:50:20: zuhören.

00:50:20: Versuchen Verständnis zu wecken, auch dort,

00:50:27: wo man jetzt gerade das erste Mal sagt, ja,

00:50:30: aber das verstehe ich jetzt überhaupt nicht.

00:50:31: Nein, mit dem kann ich überhaupt nicht

00:50:33: anfangen.

00:50:33: Ja, nein, was der rauslässt, geht überhaupt

00:50:35: nicht.

00:50:36: Vielleicht einfach mal versuchen zu

00:50:37: verstehen, was steckt denn dahinter.

00:50:39: Und dann kannst du am Schluss immer noch

00:50:40: sagen, das finde ich jetzt gut oder das finde

00:50:42: ich nicht gut.

00:50:42: Oder damit kann ich leben oder damit kann

00:50:44: ich nicht leben.

00:50:45: Und halt einfach gemeinsam etwas, eine

00:50:49: Crew hinzubringen, die in der Lage ist, etwas

00:50:51: zu reissen.

00:50:52: Weil kein Mensch ist in der Lage, alleine

00:50:54: etwas zu reissen.

00:50:55: Das kannst du vergessen.

00:50:56: Und es hat halt viel, am Schluss hat es einfach

00:50:59: auch vieles mit, wie sage ich es meinem Kind

00:51:02: zu tun.

00:51:02: Mit Kommunikation.

00:51:04: Es ist einfach so.

00:51:06: Keine Angst vor schwieriger Kommunikation,

00:51:09: auch schwierige Themen zu kommunizieren.

00:51:12: Es gibt eine grosse Chance, aber meistens gibt

00:51:15: es nur eine.

00:51:16: Und wenn du diese verpasst hast, dann wird

00:51:18: es extrem schwierig, dann kommst du fast

00:51:20: nicht mehr daraus heraus.

00:51:21: Ja, und ich bin einfach ein Mensch, der auch

00:51:26: harmoniebedürftig ist, obwohl ich mich jetzt

00:51:28: in diesem sogenannten Haifischbäckchen,

00:51:30: welches nicht so schlimm ist, nur Mengen ist,

00:51:33: Bewegt bin ich gerne, wenn eine gewisse

00:51:38: Grundharmonie da ist.

00:51:40: Aber nicht nur vordergründig.

00:51:42: Das finde ich nicht gut.

00:51:45: Es muss ehrlich sein.

00:51:46: Es muss ehrlich sein.

00:51:48: Es muss ehrlich sein.

00:51:51: Es muss einfach echt sein.

00:51:58: Das kann ich mir vorstellen.

00:52:00: Wenn du eine politische Idee willst, in eine

00:52:03: Mehrheit umwandeln, dann musst du ja mit

00:52:05: den Leuten reden.

00:52:06: Und dort in diesen Diskussionen, wenn ich

00:52:08: dich zum Teil verfolge, ist mir viel zu viel

00:52:11: dergegen der und peng und beharrsch auf

00:52:14: deiner...

00:52:14: Ja klar, es klingt knallig und so, aber nachher

00:52:17: gehen sie raus und gehen ein Bier trinken und

00:52:19: sagen...

00:52:19: Das ist der beste Kollege.

00:52:20: Das ist genau Politik, das erlebe ich ein Stück

00:52:24: weit auch medial ein bisschen so.

00:52:26: Die Zeit läuft, wir sind schon fast am Ende.

00:52:29: von unserem Kapitel vom heutigen Abend.

00:52:32: Wie du weisst, habe ich meinen Steve

00:52:33: Teufbach hier und gebe dem Gespräch immer

00:52:36: einen Titel im Vorfeld schon und ein kleines

00:52:39: Zitat dazu.

00:52:40: Ich möchte es dir gerne vorlesen vom

00:52:42: heutigen Abend mit dem Titel «Mehr als ein

00:52:44: Spiel.

00:52:45: Neue Wege beginnen selten mit einem Plan.

00:52:48: Sie beginnen mit einem starken inneren

00:52:51: Antrieb, mit dem tiefen Gefühl.

00:52:53: Jetzt ist der Moment.

00:52:55: Jetzt muss man laufen.» Wer diesen Weg

00:52:58: folgt, seiner Haltung treu bleibt, übersteht

00:53:02: jeden Sturm, bleibt standhaft und hinterlässt

00:53:05: Spuren.

00:53:06: Spuren im Sport, Spuren in der Gesellschaft

00:53:07: und vor allem Spuren bei den Menschen.

00:53:10: Spuren, die bleiben, die kein Wind der Zeit je

00:53:15: verwehen kann.

00:53:16: Bist du verstanden?

00:53:18: Das ist natürlich schon viel verlangt, wenn ich

00:53:21: das alles so fühle, aber ich kann das

00:53:23: unterschreiben.

00:53:24: Gut.

00:53:24: Die Spuren müssen auch nicht so riesig sein.

00:53:27: Nein, aber sie bleiben.

00:53:28: Ja, aber nicht...

00:53:30: Ja, aber...

00:53:31: Wohl, sie bleiben.

00:53:32: Ja, aber weisst du, ich habe auch das Gefühl,

00:53:34: dass du so französisch sagst, servir et

00:53:38: disparater.

00:53:38: Also dienen und verschwinden im Prinzip.

00:53:41: Und das ist auch nicht so schlecht.

00:53:44: Schon, dass etwas bleibt, aber auch im Sinne

00:53:48: von dann sagen, das war jetzt okay und jetzt

00:53:51: bin ich mal weg von dieser Bühne.

00:53:53: Aber sonst...

00:53:55: Ja, ist natürlich wunderbar.

00:53:57: Hast du das...

00:53:58: Ist das für dich?

00:53:59: Alles für dich?

00:54:03: Du bist ja ein sehr begnadeter Schriftsteller.

00:54:06: Ist die Frage zu ernst gemeint gewesen?

00:54:08: Nein, das mache ich immer so.

00:54:11: Ich möchte dir ja ein Kompliment machen.

00:54:13: Ja, das ist lieb.

00:54:14: Das habe ich auch so aufgenommen.

00:54:16: Nein, nein, das ist ja wirklich...

00:54:19: Und dann auf einer Seite.

00:54:21: Du brauchst nicht sieben Seiten, um das zu

00:54:22: schreiben.

00:54:23: Weil dann hört kein Mensch mehr zu, wenn

00:54:24: du fertig bist.

00:54:25: Darum ist es richtig gut.

00:54:28: Danke vielmals.

00:54:29: Und ich glaube, es sind Spuren, die bleiben.

00:54:31: Zumindest die nächsten Jahre.

00:54:35: Und viele Jahre bleiben während von dir beim

00:54:37: FC St.

00:54:37: Gallen.

00:54:37: Was immer du machst.

00:54:38: Was immer du auch machst.

00:54:40: Ich bedanke mich herzlich für den Besuch

00:54:42: hier bei uns.

00:54:42: Danke vielmals.

00:54:43: Auch meinerseits.

00:54:45: Alles Gute und wer weiss, vielleicht kommt

00:54:47: der Titel dieses Jahr.

00:54:48: Danke vielmals.

00:54:50: Danke auch.

00:54:51: Ja, das war's für heute Abend, liebe

00:54:53: Zuschauerinnen und Zuschauer.

00:54:54: Ich hoffe, Sie haben etwas mitgenommen,

00:54:56: etwas, was nachhaltig in die Nacht hinein, am

00:54:58: morgigen Tag vielleicht auch noch.

00:55:00: Denken Sie darüber nach und Große Nacht.

00:55:02: Ade miteinander.

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